Als Simon mit seinen Syrern aufbrach, war es, als hätte das Schicksal zwischen Krates und Timarchos auch die letzte Verbindung gekappt. Seine Treiber saßen stumm und lethargisch bei den Pferden und fühlten sich durch die Nähe der fremden Wachmänner nicht gerade wohler. Krates versuchte, sie mit seiner Geometrie aufzumuntern, doch er bemerkte, dass sie gar nicht bei der Sache waren und überließ sie wieder ihrem Schweigen. Immerhin hatte Simon mit der Bestechung der Pförtner erreicht, dass sie von den anderen Karawanen in Ruhe gelassen wurden und ihre Wächter versperrten jedem Fremden den Zutritt zu Krates’ Ställen.
Die ganze Nacht über hatte es in Strömen geregnet. Seit dem Vormittag hatte sich der Himmel wieder mehr und mehr gelichtet und so strahlte er nun am frühen Nachmittag in seinem herrlichsten Blau. Krates machte einen Spaziergang durch die Stadt und bestaunte die Größe des Theaters, die beiden Haupttempel von Sagalassos und den riesigen Marktplatz. Obwohl er in den Talebenen unterhalb der Stadtmauern keinerlei Ackerbau oder Viehzucht gesehen hatte, war der Markt doch voll von Händlern, die ihre Tiere und landwirtschaftlichen Erzeugnisse verkauften. An der gegenüberliegenden Seite sah er eine Gruppe von Leuten vor einer kleinen Bühne stehen. Interessiert fragte er einen der Händler, was dort los sei und bekam die gelangweilte Antwort, dass dies der Sklavenmarkt sei.
Sklaven? dachte Krates angewidert, dem die Vorstellung einen Menschen wie ein Stück Vieh zu veräußern abartig vorkam, bis er sich beschämt daran erinnerte, dass er ja selbst von einer Sklavin erzogen worden war. Von Zweifeln, aber auch von Neugier gepackt, näherte er sich dem Podium mit den Sklaven und musterte die Männer und Frauen, die dort oben zum Verkauf angeboten wurden. Die meisten dieser Menschen machten auf ihn einen gebrochenen Eindruck, als hätten sie sich bereits in ihr Schicksal gefügt. Doch einige Sklavinnen blickten so angstvoll in die Menge, dass Krates schlucken musste, als er sich vorstellte, dass ja auch Mela einst an einem so hässlichen Ort gestanden haben musste. Tränen der Beschämung traten ihm in die Augen und er wollte sich gerade abwenden, als ihm ein Gesicht auffiel, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ. Irritiert blickte er erneut auf das Podium und glaubte seinen Augen nicht zu trauen. War er das?
Er schob sich dichter an die Holztribüne und konzentrierte sich auf den kräftig gebauten Mann in der hintersten Reihe. Krates lief es eiskalt den Rücken herunter, als er die Ähnlichkeit dieses Mannes mit seinem Freund Hippias erkannte. Das gibt es doch gar nicht, dachte er sich. Können sich zwei Menschen tatsächlich so ähnlich sehen? Acht der vordersten Sklaven wurden fortgeführt und so musste auch der Mann weiter vorrücken, um mit vier anderen Sklaven zum Verkauf angepriesen zu werden. Fassungslos starrte Krates auf den Sklaven, der ihn so sehr an Hippias erinnerte, und wusste nicht, was er davon halten sollte. Der Mann war kräftig gebaut und hatte dichtes, braunes Haar. Um die Taille trug er einen Stoffetzen, der ihm die Scham bedeckte und seine Füße waren mit schweren Ketten aneinandergefesselt. Verachtend musterte er die unter ihm stehende Menge, bis seine Augen plötzlich an Krates hängen blieben und sich in jähes Entsetzen weiteten. Das ist er, keuchte Krates, beim Zeus, das ist er. Aber wie konnte das sein? Er zwang sich angestrengt zum Nachdenken. Wenn es sich tatsächlich um Hippias handelte, warum wurde er dann hier in Sagalassos verkauft und nicht schon in Side oder sonstwo an der Küste? Wahrscheinlich sah er nur genauso aus und fühlte sich ebenfalls an jemanden erinnert. Nein, sagte sich Krates, das kann er nicht sein. Was aber, wenn doch?
Er wusste, dass er es sich nie verziehen hätte, wenn er den Mann nicht trotz all seiner Zweifel freigekauft hätte. Also horchte er auf die Preise, die der Sklavenhändler für die Männer verlangte, und kramte nervös seinen Geldbeutel hervor. Doch er besaß nur noch vierhundertsiebenundzwanzig Drachmen und ein paar Obolen. Wenn er zurück zur Karawanserei liefe, um sich mehr Geld zu beschaffen, bestände die Gefahr, dass der Sklave an irgendeinen Unbekannten verkauft und er ihn nie mehr wiedersehen würde. Krates spürte den nun flehenden Blick auf sich haften und begann zu zittern. Schließlich nahm er all seinen Mut zusammen und brüllte dem Sklavenhändler sein Kaufinteresse zu. Allerdings wolle er nur jenen Mann dort haben und nicht die anderen. Der Sklavenhändler musterte ihn mit abschätzigen Blicken und verlangte fünfhundert Drachmen.
Krates hätte am liebsten aufgegeben, doch er musste jetzt feilschen. Wenn er es nicht ist, fuhr es ihm durch den Kopf, werde ich ihn freilassen, sobald wir Sagalassos verlassen haben. Blitzschnell rief er sich noch einmal die Szene in Erinnerung, die er mit Alexandros bei ihrem Pferdehandel in Tarsos erlebt hatte und lachte so höhnisch wie er nur konnte. »Fünfhundert Drachmen für diesen Dummkopf? Hast du überhaupt eine Ahnung, vieviel Zeit ich investieren muss, um ihm seine Aufgabe beizubringen? Dreihundert würde ich dir geben, aber das ist schon mehr als großherzig.«
Der Sklavenhändler schien den Widerspruch nicht gewöhnt und fauchte Krates an, was er sich denn einbilde und wer er zu sein glaube. Die Menge der Schaulustigen scharte sich dichter um das Podium und Krates nutzte alle Tricks, die ihm Alexandros beigebracht hatte. Schießlich fiel ihm die Macht seines hiesigen Gönners Paras ein. Als er den Namen des Ratsherren erwähnte, bei dem er sich über die ungehobelten Sklavenhändler beschweren wolle, die jetzt schon bis in seine Stadt kämen, wich der andere zurück und meinte unterwürfig, dass sie sich doch sicher auf einen Preis von dreihundertfünfzig Drachmen einigen könnten. Krates blickte ihn grimmig an und bezahlte. Dann verlangte er, dass der Sklave von seinen Fußfesseln befreit werde, und schob ihn wortlos durch die Menge ins Freie.
»Oh, Krates«, stöhnte Hippias, als er vor den Mauern des Marktplatzes keuchend in die Knie ging. »Was, bei allen Göttern, machst du denn hier?«
Krates stand wie vom Donner gerührt. Bis vor kurzem hatte er noch mit der Möglichkeit gerechnet, dass es gar nicht Hippias sei, doch nun war jeglicher Zweifel ausgeschlossen.
»Das ist eine lange Geschichte«, sagte er mit bebender Stimme, nachdem er sich wieder einigermaßen gefangen hatte. »Ich werde dir jetzt ein paar Kleider kaufen. Danach gehen wir zurück zur Karawanserei, wo du dich waschen kannst. Und beim Essen werde ich dir dann erzählen, wie ich an diesen furchtbaren Ort gelangt bin. Im Anschluss sehen wir weiter.«
Er half Hippias beim Aufstehen und führte ihn zu einem der Kleiderhändler, der sich über die Erlesenheit der von Krates bestimmten Tuche wunderte, die einem Sklaven seiner Meinung nach nicht angemessen seien. Krates gab ihm ungehalten zu verstehen, er möge sich um seinen eigenen Kram kümmern, und ließ sich die Kleider einpacken.
Leandros und seine vier Kameraden musterten ihn argwöhnisch, als Krates ganz offensichtlich mit einem Sklaven zurückkam. Er lachte erleichtert, erklärte, das würden sie noch früh genug verstehen, und versetzte sie mit einem Freundenjuchzer in Erstaunen. Hippias indessen schüttete sich wieder und immer wieder Wasser über den Körper und wusch sich, als hätte er schon seit Wochen keine Gelegenheit mehr dazu gehabt. Dann nahm er von Krates dankbar ein Handtuch entgegen und kleidete sich an. Das Gewand, das Krates für ihn gekauft hatte, stand ihm ausgezeichnet und mit dem umgehängten Mantel sah er aus wie jeder andere freie Bürger von Sagalassos.
Wortlos begaben sie sich in eine der nahen Tavernen und Krates bestellte so viel, wie sein Geldbeutel noch hergab. Hippias schlang das Essen gierig in sich hinein und vergaß dabei alle Manieren, so dass ihn Krates bitten musste ein wenig gepflegter zu essen, damit sie kein unnötiges Aufsehen erregten.
»Entschuldige«, flüsterte Hippias und fügte hinzu: »Herr.«
»Ich bin nicht dein Herr«, fuhr ihn Krates an. Aber Hippias sagte nichts mehr, sondern aß nur stumm weiter.
Nachdem er einigermaßen satt geworden war, bestellte Krates einen Krug Wein und erzählte ihm, wie er von Tarsos den weiten Weg über die Berge bis nach Sagalassos gekommen war. Als er ihm schließlich Geld anbot, damit er eine der nächsten Karawanen zurück nach Mallos begleiten könne, schüttelte Hippias heftig den Kopf. Krates sah ihm an, dass er nicht zurück wollte, was für Gründe auch immer er dafür haben mochte. Das einzige, was Hippias an diesem Nachmittag noch sagte, war ein geseufzter Dank. Und es sollte vorerst das letzte sein, was Krates von ihm hörte.
Die Tage verstrichen und die Karawanen kamen und gingen. Krates’ Schutz innerhalb der Karawanserei und der Stadt war noch immer gewährleistet, doch es gab bereits erste Anzeichen des Unmuts seitens der Pförtner und er hoffte inständig auf die baldige Ankunft des Eudemos.
Hippias half ihnen beim Pflegen der Tiere und der Zubereitung der Mahlzeiten, aber er sprach dabei kein Wort und fast schien es, als hätte er die Stelle des kleinen Omikron eingenommen. Krates schmerzte die Stummheit seines Freundes, zumal er sich gerne mit ihm unterhalten hätte. Doch er vermutete, dass die letzten Wochen und Monate, die Hippias durchlitten haben musste, seine Vorstellungskraft überschritt und war sich mit seinen Treibern auch darüber einig, dass der Verlust der Sprache dem Verlust des Verstandes allemal vorzuziehen sei.
Eine Woche später fanden sich endlich Eudemos und seine Karawane ein und Krates machte sich gleich mit ihm bekannt. Er richtete ihm Simons Grüße aus, woraufhin sich Eudemos mit seinen Reiseplänen einverstanden erklärte. Als Krates seinen Treibern die frohe Botschaft überbrachte, dass es morgen nun endlich weiter ginge, traf er auf begeisterte Zustimmung. Selbst Hippias vermochte die Nachricht ein Lächeln zu entlocken und so machten sie sich noch am Abend daran die Pferde zu satteln und die Lasten für den morgigen Ritt zu befestigen. Anfangs hatte Krates mit dem Gedanken gespielt, für Hippias ein neues Pferd zu kaufen, bis ihn Omikron daran erinnerte, dass doch bei der Überquerung des Trogitis ein Pferd seine Lasten verloren habe. Sie bräuchten die Tücher nur genauso verteilen wie bei ihrem Abmarsch aus Tarsos und könnten Hippias das freie Pferd geben. Also kauften sie für ihn lediglich einen neuen Sattel und die für die Reise erforderlichen Gebrauchsgegenstände.
Als sie sich am folgenden Morgen der Karawane des Eudemos anschlossen, freuten sie sich auf die freie Natur, auf ihre gemeinsamen Abende am Feuer und den freien Blick in den Sternenhimmel. Die Straße von Sagalassos führte sie wieder in die pisidischen Tannenwälder hinab. Eudemos war ein erfolgreicher Karawanenführer, der seine Truppe gut im Griff hatte und weitaus sensibler war, als sie es von Simon in Erinnerung hatten.
An ihrem ersten Abend, den sie am Westufer des Askanios-Sees verbrachten und die Lachse räucherten, die ihnen Hegesias geangelt hatte, setzte sich Eudemos zu ihnen ans Feuer und fragte sie nach ihren Erfahrungen und Reiseplänen. Als ihm Krates berichtete, dass sie bis nach Pergamon wollten, nickte er ihm mit anerkennenden Blicken zu.
»Ein weiter Weg. Aber wenn wir übermorgen in Hierapolis ankommen, seid ihr ja immerhin schon auf pergamenischem Boden. Von dort aus könnt ihr sicher mit einer der königlichen Karawanen weiterreiten und gelangt dann unbehelligt bis nach Pergamon.«
»Was hat den Hierapolis mit Pergamon zu tun?« fragte Krates.
»So viel wie Antiochia mit Antiochos«, scherzte Eudemos. »Die Stadt wurde vor knapp zwanzig Jahren von König Eumenes gegründet und einen klügeren Schachzug hätte er kaum machen können. Denn abgesehen von der strategischen Lage hat der Ort auch seine wirtschaftlichen Vorzüge. Schließlich muss der gesamte Ost-West-Handel durch dieses Tal und der Ort liegt ungefähr am Etappenende jeder erdenklichen Route. Für einen Karawanenführer bietet es sich also förmlich an dort zu übernachten. Und wo Karawanen halten, kann man immer gutes Geld verdienen.«
Krates blickte lächelnd in die Flammen des Feuers und fühlte die Vorfreude in sich aufsteigen. Bald schon würde er nach Pergamon kommen. Er würde sich mit Philopatros treffen und Ariston wiedersehen und endlich jene fast schon sagenumwobene Bibliothek kennenlernen, deren Umfang die Alexandriner so sehr zur Widerrede reizte.
»Nun gut«, riss ihn Eudemos aus seinen Gedanken und erhob sich langsam von seinem Platz. »Dann will ich euch mal eurer wohlverdienten Nachtruhe überlassen.«
»Von wegen Nachtruhe«, lachte der kleine Omikron vergnügt. »Zuerst muss noch gelernt werden.«
Eudemos blickte ihn mit einem fragenden Lächeln an. »Und was bringt euch der große Meister bei?«
»Oh«, verkündete Omikron mit stolzgeschwellter Brust, »heute geht es um die Berechnung von Häusern. Nicht wahr, Krates?«
»Um ihre Höhe, Omikron.«
»Ich weiß zwar nicht«, überlegte Eudemos, »wofür man dieses Wissen nutzen kann, aber schaden tut es bestimmt nicht. Würde es euch etwas ausmachen, wenn ich mich dazusetze?«
»Ganz im Gegenteil«, erwiderte Krates mit einer einladenden Geste. »Unser Karawanenseminar fühlt sich geehrt, einen so hohen Gast begrüßen zu dürfen!«
Nachdem ihm seine Treiber beigepflichtet hatten, scharten sie sich um das Feuer, vor dem ihnen Krates in altgewohnter Manier seine Berechnungen in den Boden ritzte. Er hatte mittlerweile herausgefunden, dass die Aufnahmebereitschaft seiner Treiber stark davon abhing, wie bildhaft es ihm gelang, die Anwendungsbeispiele der Geometrie zu beschreiben. Und so erzählte er ihnen an diesem Abend in der blumigen Sprache der Karawanenführer von dem Milesier Thales, der nur mit Hilfe seines Wanderstockes die Höhe der ägyptischen Pyramiden bestimmt hatte. Krates erzählte und zeichnete, stellte methodische Fragen und dozierte solange, bis sie alle den Thalessatz begriffen hatten und Eudemos vor Begeisterung applaudierte.
Während der nächsten Tage ritten sie von den Ufern des Askanios-Sees in die phrygische Hochebene. Sie durchquerten riesige Mischwälder und ödes Weideland, kamen an kleinen Seen und Flüsschen vorbei und bestaunten immer wieder die Schönheit der abwechslungsreichen Landschaft. Zufrieden registrierte Krates, dass sich Hippias in die kleine Gemeinschaft seines Handelszuges gut eingelebt und dabei ganz offensichtlich auch seine Sprache wiedergefunden hatte. Sein Freund zeigte sich genau so streitlustig und lebensfroh, wie ihn Krates aus Mallos in Erinnerung hatte. Nur über die Geschehnisse, die ihn nach Sagalassos geführt hatten, hüllte er sich weiterhin in tiefes Schweigen.
Als sie sich endlich der Stadt Hierapolis näherten, sah Krates die merkwürdigste Landschaft, die er je zu Gesicht bekommen hatte. Die Umgebung sah aus, als hätten die Götter ein weißes Tuch genommen, das vorher in Wasser getaucht worden war und nun unzählige Blasen warf. Riesige Balkone türmten sich übereinander zu ganzen Terrassen auf und schillerten in allen möglichen Farben von weiß bis ocker. Er fragte sich, ob diese Balkone natürlich waren oder von Menschen geschaffen wurden, doch er konnte sich nicht vorstellen, zu welchem Zweck man etwas derartiges errichten sollte. Über einige dieser Balkone schien Wasser zu fließen, das kräftig dampfte und ihn an die Thermalquelle vor Tarsos erinnerte, in der er einst mit Agathon gesessen hatte.
»Willkommen in Hierapolis«, rief Eudemos, als sie vor dem südlichen Stadttor hielten. »Wir werden uns gleich mit der Karawane auf den Markt begeben, um den dortigen Händlern ihre bestellten Waren zu übergeben, aber da müsst ihr eigentlich nicht mitkommen. Die Stadt ist ohnehin zu klein, um uns aufzunehmen und eine Karawanserei hat sie auch nicht. Wir werden also nachher zurückkommen und uns auf der großen Terrasse dort hinten einrichten, um morgen wieder nach Sagalassos zu ziehen. Wenn ihr wollt, könnt ihr diese Nacht noch mit uns verbringen und euch da drüben schon mal einrichten.«
Krates und seine Treiber führten die Pferde zu dem besagten Ort und banden sie an die Eisenringe im Felsen. Nach den erforderlichen Sicherungsmaßnahmen und der Versorgung der Tiere trafen sie sich an der Kante der großen Terrasse und blickten ergriffen in das sie umgebende Naturschauspiel. Überall dampfte Wasser, das sich von einer Kalkterrasse in die nächste ergoss und ein beruhigendes Plätschern verbreitete.
»Warm ist es ja«, bemerkte Skythos, der seine Hand prüfend in das Wasser getaucht hatte. »Aber kann man es auch trinken?«
»Das wird uns Eudemos nachher sagen «, erklärte Krates, der genau wusste, was er jetzt tun würde. Er streifte sich seine Sachen vom Körper und stieg in das hüfttiefe Wasser der nächsten Terrasse.
»Aah, ist das herrlich!« schwärmte er vergnügt und forderte seine Treiber auf, es ihm gleich zu tun. Als Eudemos aus der Stadt zurückkehrte und sie in der riesigen Wanne diskutieren sah, brach er in schallendes Gelächter aus, dem sich bald einige seiner Treiber anschlossen und auch die Badegesellschaft selbst mitriss. Doch anstatt sie zu bitten, zu ihm herauszukommen, zog er sich aus und stieg einfach zu ihnen ins Wasser. Die Kalkterrasse war jetzt brechend voll.
»Ist das nicht schön hier?« begann Eudemos leutselig.
»Wunderschön«, pflichtete ihm Leandros bei und betrachtete dabei lächelnd den kleinen Omikron, der sich vermutlich in jener Zauberwelt wähnte, von der andere Kinder träumen, wenn ihnen ihre Eltern davon erzählen.
Der kommende Tag begann mit dem Abmarsch des Eudemos. Sie verabschiedeten und bedankten sich und wünschten ihm eine glückliche Rückreise. Krates schickte Leandros und Medion mit etwas Geld in die Stadt, wo sie ausreichend Brot und Käse sowie Trockenproviant für die kommenden Tage einkaufen sollten. Skythos und Hegesias machten sich mit zwei Tragekörben auf den weiten Weg in die unter ihnen liegende Ebene, um dort etwas Feuerholz für den Abend zu finden, während Omikron durch die Gegend streifte und offensichtlich nach Hasen Ausschau hielt.
Gegen Mittag hatte sich Krates in eine der nahen Kalkterassen gelegt und genoss die Wärme des Wassers, als sich Hippias zu ihm gesellte und ihm dankbar zulächelte. Eine ganze Weile saßen sie schweigend nebeneinander, bis Hippias zu erzählen begann.
»Es fällt mir nicht leicht, darüber zu reden, Krates. Aber ich muss es jemandem erzählen, sonst werde ich noch verückt.«
»Dann erzähl es mir«, sagte Krates leise und forderte ihn mit einem leichten Kopfnicken auf, seine Geschichte zu beginnen.
»Es war ein schwüler Nachmittag in Magarsa. Ich war mit Zosimos an den Strand geritten, weil wir dort trainieren wollten. Erinnerst du dich noch an ihn? Ich hatte ihn dir vor Jahren einmal vorgestellt, als du uns im Gymnasion besucht hast.«
»So ein ziemlich kräftiger Schlägertyp?« erinnerte sich Krates.
»Ja genau«, lachte Hippias, der die Beschreibung des Faustkämpfers offensichtlich passend fand. »Wir waren also am Strand von Magarsa hinter der Felsnase, die den Blick auf den Hafen versperrt und haben dort miteinander gerungen. Wir konnten die Schiffe nicht kommen sehen, aber der Lärm, der plötzlich über die Klippen wehte, war unüberhörbar. Wir schauten uns fragend an und kletterten die Felsnase hoch, um zu sehen, warum die Fischer so einen Krach schlugen. Als Zosimos sah, dass der Hafen angegriffen wurde, hat er nicht lange gezögert und ist einfach drauflos gelaufen. Aber nicht zu den Stadtmauern, wie man vernünftigerweise annehmen sollte, sondern zum Hafen hinunter. Ich weiß bis heute nicht, was ich mir eigentlich dabei gedacht habe, jedenfalls bin ich ihm gefolgt. Unterwegs kamen uns viele Männer entgegen, die zu Fuß oder zu Pferd zurück nach Mallos eilten, darunter übrigens auch dein Schwager Agathon. Ich dachte mir noch: Ja, der macht es richtig. Der hat eine tolle Frau und zwei nette Kinder. Der kann den Hafen nicht verteidigen, der muss zurück zu den Seinen. Aber wir, wir konnten nicht anders und so sind wir in die entgegengesetzte Richtung nach Magarsa gerannt.«
»Aber du warst doch gar nicht bewaffnet.«
»Ach, wenn es nur das gewesen wäre! Wir waren nicht nur unbewaffnet, sondern auch nackt, denn unsere Kleider hatten wir ja unten am Strand gelassen. Aber das schien Zosimos nicht weiter zu stören. Der Kampf um den Hafen hatte längst begonnen und er war so ungleich, wie er es mehr nicht hätte sein können. Denn die Fischer, die wild auseinander stoben, hatten nichts, mit dem sie sich zur Wehr setzen konnten. Die Piraten dagegen metzelten jeden nieder, der sich ihnen in die Quere stellte. Ich sah, dass Zosimos einem der Seeräuber einen gezielten Schlag ins Genick verpasste und ihm seine Waffe entriss. Ein gutes Dutzend weiterer Piraten hat er noch erschlagen und mir dabei ein Schwert zuwerfen können, damit auch ich mich verteidigen konnte.«
»Hast du denn, … ich meine, hast du auch jemanden töten müssen?«
Hippias blickte betroffen auf das milchige Wasser ihrer Kalkterrasse und begann zu schluchzen. »Nein«, sagte er schließlich, »dazu bin ich nicht mehr gekommen. Das ging alles so schnell, Krates.
Anfangs, als ich das blutige Schwert an mich nahm, hatte ich noch darum gebetet es nicht einsetzen zu müssen. Später dann habe ich es bitter bereut es nicht getan zu haben und wünschte mir wieder und wieder, ich könnte das große Rad der Zeit zurückdrehen und sie abschlachten, einen nach dem anderen.
Der Hafen war nach einem kurzen Kampf gefallen. Das Plündern und Brandschatzen hatte schon eingesetzt, als ich sah, wie sie meinen Kameraden Zosimos auf die Knie zwangen und ihm den Kopf abschlugen. Ich schrie aus Leibeskräften, doch da traf mich selbst ein Schlag, der mich die Besinnung verlieren und erst viel später wieder aufwachen ließ, als ich mit den anderen gefesselt auf einem Schiff lag.
Wir segelten aufs offene Meer. Auf den Hügeln hinter der Küste konnte ich unser Mallos sehen, davor die brennenden Häuser von Magarsa und die Flotte der Nachzügler. An Bord ging das schändliche Treiben weiter: Sie vergewaltigten die Frauen, die sie mitgenommen hatten und quälten sie solange, bis einige von ihnen starben. Ihre Leichen, aber auch diejenigen, die zu stark verwundet waren, um ihnen noch als Sklaven dienen zu können, warfen sie einfach über Bord. Ich erinnere mich, dass ich all das sah wie durch einen Schleier. Meine Hände und Füße waren gefesselt und bald hatte ich blutige Striemen an den Gelenken.
Wir fuhren von einem Hafen zum nächsten, drei oder vier Tage. Ab uns zu schütteten sie uns Seewasser ins Gesicht und jeder versuchte, davon etwas herunterzuschlucken, denn zu essen und zu trinken gaben sie uns nichts. Unsere Kräfte schwanden zunehmend. Der Wind blies zwar kräftig, doch wir spürten die Sonne mit aller Kraft und so sind einige von uns noch während der Überfahrt nach Side gestorben.«
»Side«, wiederholte Krates schockiert. »Und wie viele hat es letztlich erwischt?«
»Kann ich nicht sagen. Auf meinem Schiff waren wir anfangs elf Männer und sieben Frauen. Wie viele auf den anderen Schiffen waren, weiß ich nicht. Aber von den achtzehn Gefangenen auf unserem Schiff haben allein bis Side nur sechs überlebt.«
Hippias schluckte und suchte zögerlich die Nähe seines Freundes. Als ihn Krates mitfühlend in den Arm nahm und fest an sich drückte, seufzte Hippias und schluchzte leise in sich hinein. Eine leichte Brise wehte über sie hinweg und brachte angenehme Kühle. Hippias war an seiner Schulter eingenickt, so dass Krates Zeit hatte, das Grauen des bereits Erzählten zu verarbeiten. Seine Augen füllten sich mit Tränen, als er an all die Scheußlichkeiten dachte, von denen ihm sein Freund erzählte und deren Beschreibung die Wirklichkeit vermutlich noch nicht einmal annähernd traf. Als eines der Pferde zu wiehern begann, schreckte Hippias hoch, doch Krates konnte ihn schnell beruhigen.
»Möchtest du mir weitererzählen«, fragte er mitfühlend, »oder wollen wir lieber eine Pause machen?«
Hippias sah ihn verwundert an, erinnerte sich jedoch an seinen Bericht und nickte. »Side«, sagte er mit einem gequälten Lächeln. »Wir waren also bis nach Side gekommen. Eine furchterregende Stadt mit kräftigen Mauern und einem gut gesicherten Hafen, aber in sich verwahrlost und von zwielichtigen Gestalten bewohnt. Sie brachten uns auf den Sklavenmarkt im Herzen der Stadt. Insgesamt waren wir fünfunddreißig Leute. Ein paar der Fischer kannte ich und es waren übrigens auch ein paar Bewohner von Mallos dabei. Philion zum Beispiel oder Kratesilaos.«
»Kratesilaos?« fragte Krates erschrocken. »Der Sohn des Simonides?«
»Ja, genau. Kanntest du ihn?«
»Und ob! Simonides war ein Amtskollege meines Vaters. Beim Ares, sein Junge war doch noch nicht einmal fünfzehn!«
Hippias nickte angewidert. »Sie haben ihn an ein Bordell verkauft. Mich selbst und ein gutes Dutzend weiterer junger Männer haben sie im Hafen eingesetzt, wo wir die riesige Steinmole ausbessern sollten, mit der wir ungefähr zwei Monate lang beschäftigt waren. Wir bekamen abgestandenes Wasser und verschimmeltes Brot, aber was macht das schon, wenn man Hunger hat, immerhin gab es etwas zu essen. Am Hafen war es unerhört heiß und jeder Versuch, zwischen der anstrengenden Arbeit zu verschnaufen oder wieder zu Kräften zu kommen, wurde mit Peitschenhieben bestraft.«
Krates wagte einen verstohlenen Blick auf den Rücken seines Freundes und sah die hässlichen Narben.
»Abends«, fuhr Hippias fort, »wurden wir angekettet, damit wir nicht weglaufen konnten und selbst bei der Arbeit haben sie uns mit Fußketten herumlaufen lassen. Manchmal frage ich mich, ob ich die Schmerzen in den Gelenken jemals vergessen werde.
Zwei Monate, nachdem wir in Side gelandet waren, wurden wir aus unserem Verlies geholt und wieder auf den Sklavenmarkt gebracht. Ein reicher Händler aus Selge kaufte mich und fünf andere und zog mit uns nach Sagalassos. Naja, und den Rest der Geschichte kennst du.«
Krates hatte während des Berichts angefangen zu weinen und ließ sich nun von seinem Freund in die Arme nehmen, um mit ihm gemeinsam zu trauern. Lange Zeit saßen sie so da und es sollte ihnen noch Jahre später so vorkommen, als wäre dies der Augenblick gewesen, in dem Hippias die Last der Vergangenheit von sich geworfen und all seinen Lebensmut wiedererlangt hätte. Und plötzlich konnten sie auch wieder lachen, als ihnen von oben zwei Hasen vor der Nase baumelten und sie die braungebrannten Kinderhände des Omikron erblickten, der die Hasen an den Ohren festhielt.
Bald darauf kehrten Leandros und Medion aus der Stadt zurück und verstauten den eingekauften Proviant bei den Pferden. Als schließlich auch Skythos und Hegesias wieder eingetroffen waren und so viel Feuerholz mitbrachten, dass es bis zum übernächsten Morgen reichte, zündeten sie sich ein Feuer an und machten sich an ein frühes Abendessen.
»Seht mal, dahinten!« rief Leandros plötzlich.
Sie schauten in die besagte Richtung und erkannten die riesige Staubwolke einer Karawane, die sich langsam aus den Bergen in die Ebene hinabzog.
»Ganz schön groß«, murmelte Medion.
Die Sonne war gerade dabei, hinter den gegenüber liegenden Bergen unterzugehen, als sich der mächtige Handelszug in Hierapolis einfand. Nachdem die Karawane durch das südliche Stadttor eingezogen war, verging eine ganze Weile, bis sie wieder herauskam und sich im letzten Tageslicht auf der Terrasse einquartierte. Krates und die Seinen beobachteten argwöhnisch die fremden Treiber, die ihre Lastentiere in der Nähe ihrer eigenen Pferde festbanden.
Schließlich trat ein Mann zu ihnen und stellte sich vor. »Mein Name ist Klearchos und ich führe die königliche Karawane aus Pergamon. Wer ist euer Anführer?«
»Das bin ich«, antwortete Krates schüchtern, »aber ich reite in eigenem Auftrag und verlasse mich in allen technischen Fragen auf die Erfahrung meiner Treiber.«
»Na schön«, brummte Klearchos. »Deine Tiere stehen zu weit auseinander. Sorg dafür, dass deine Pferde dichter zusammenstehen, damit wir mehr Platz haben.«
»Machen wir«, erwiderten Leandros und Skythos, die gleichzeitig aufgesprungen waren, um die Order auszuführen, ehe sie Krates darum bitten würde. Medion und Hegesias standen ebenfalls auf, deuteten Omikron aber an, dass er ruhig sitzen bleiben könne.
»Reitet ihr morgen früh wieder nach Pergamon zurück?« erkundigte sich Krates.
»Das hatten wir ursprünglich vorgehabt. Aber wie ich eben in der Stadt erfuhr, wird sich unsere Abreise um einen Tag verzögern, denn wir warten noch auf eine andere Karawane, deren Güter nach Pergamon sollen. Warum fragst du?«
»Weil auch wir nach Pergamon wollen und ich dich bitten möchte, uns irgendwo in deinem Handelszug unterzubringen.«
»Ich habe dich hier noch nie gesehen. Wer bist du und was willst du in Pergamon?«
»Mein Name ist Krates, ich bin Philosoph und komme auf Einladung eures Königs, der mir die Leitung eurer Bibliothek übertragen hat. Unsere Pferde tragen meine persönliche Habe und meine Treiber sorgen dafür, dass wir zumindest nicht am Weg scheitern.«
Klearchos betrachtete ihn merklich wohlwollender. Er fragte, ob er sich zu ihm ans Feuer setzen dürfe und entschuldigte sich für seinen barschen Tonfall. »Dann solltet ihr wohl wirklich mit uns reiten. Ab Magnesia am Sipylos ist die Reise kein Problem mehr, doch in den Tälern des Hermos gibt es ein paar sehr unfreundliche Menschen und die einzigen Karawanen, die sie mehr oder minder in Ruhe lassen, sind die des Königs.«
Krates’ Treiber hatten die Pferde in eine geordnetere Position gebracht und kehrten nun ans Feuer zurück.
»Entschuldigt unsere Unachtsamkeit«, wandte sich Leandros an den Karawanenführer.
»Schon gut, Junge. Euer Krates hat mir eben erzählt, dass ihr nach Pergamon wollt und da habe ich ihm vorgeschlagen, dass ihr uns übermorgen begleitet.«
»Erst übermorgen?« fragte Skythos enttäuscht.
»Sie warten noch auf einen anderen Handelszug«, antwortete ihm Omikron. »Das wird lustig, wenn die ihre Pferde hier auch noch unterstellen wollen.«
»Irgendwie wird es schon gehen«, brummte Klearchos. »Wo habt ihr eigentlich das Holz her, wenn ich fragen darf?«
»Aus der Ebene«, erklärte ihm Hegesias. »Warum?«
»Lasst euch nicht erwischen«, schmunzelte Klearchos nachsichtig und klopfte ihm dabei warnend auf die Schulter. »Soweit ich weiß, sind die Gärten da unten eingezäunt.«
Am nächsten Morgen hatte sich der Himmel wieder zugezogen und aus den Bergen oberhalb der Kalkterrassen wehte ein kalter Wind. Nach dem Frühstück fragte Leandros, ob Krates bereit sei, sich in die Grundkenntnisse des Pneuma einführen zu lassen. Krates willigte neugierig ein und folgte seinem Treiber in den Windschatten der oberen Kalkterrassen.
Leandros begann damit ihm noch einmal die Kraft der Spuren zu erklären, die jede Krankheitsursache um den Körper des Betroffenen aufbaut und dessen Seele dazu animiert mit einer entsprechenden Krankheit zu reagieren. Dann lehrte er ihn die Möglichkeiten der Diagnose, wobei sich herausstellte, dass Krates nicht nur in der Lage war die Quelle der Spuren ausfindig zu machen, sondern auch deren Wirkung zu spüren. Im Laufe des Tages lernte er die verschiedenen Schritte der Pneumabehandlung, angefangen bei der spirituellen Reinigung über die Lichtheilung bis zum Schutz des Heilers vor Ansteckung. Dabei wunderte er sich immer wieder über seine Sensibilität und die Leichtigkeit, mit der er diese, ihm doch relativ fremde Materie verinnerlichte.
»Es ist noch sehr ungewohnt«, resummierte Krates schließlich kopfschüttelnd, »denn ich habe mich mit diesen Dingen nie ernsthaft befasst. Aber in meinem Inneren spüre ich, dass du mir da etwas sehr Kostbares beigebracht hast.«
Leandros lachte. »Weißt du, das schönste am Pneuma ist, dass man sich einer Krankheit nicht mehr ausgeliefert fühlen muss. Du kannst dem Körper die Kräfte des Leidens nehmen, und wenn du ihm auch noch genügend Bewegung und Ruhe gönnst, kannst du nahezu jeden Schmerz und viele Krankheiten endgültig heilen.«
Im Laufe des Nachmittages war die überfällige Karawane aus Iasos eingetroffen und hatte sich an den Rand der großen Terrasse gedrängt. Die pergamenischen Treiber packten die Waren des hinzugekommenen Handelszuges auf die Tiere und Klearchos kam noch einmal persönlich vorbei, um Krates und seine Treiber an ihren morgigen Abmarsch zu erinnern. Er wies ihnen eine Position in der Nachhut zu und bat sie, sich bei Sonnenaufgang bereitzuhalten.
Während die Treiber mit Hippias’ Hilfe die Pferde sattelten und die Lasten für den Transport festschnürten, konsultierte Krates seinen Geldbeutel und stellte zufrieden fest, dass er mit den verbliebenen dreihundert Drachmen bis nach Pergamon käme ohne unterwegs eines seiner Pferde verkaufen zu müssen. Die Tage der Ruhe hatten ihnen gutgetan, doch langsam waren sie der Kalkterrassen überdrüssig und freuten sich auf den kommenden Tag, der sie endlich wieder aufs freie Feld brachte.